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Dusel-Sieg über Katernberg

Nur einen Tag nach der tollen Kooperations-Veranstaltung beim Bundesliga-Blitz standen sich die Sportfreunde Katernberg und unsere Bundesligamannschaft in den Räumen der Stadt-Sparkasse nun als Kontrahenten gegenüber. Dieses NRW-Derby hielt alles, was die heimischen Fans sich davon versprochen hatten: zahlreiche hart umkämpfte Partien mit unerwarteten Wendungen, ein über die vollen sechs Stunden spannender Spielverlauf und abschließend ein Happy End aus Solinger Sicht. Nach Siegen von Michael Hoffmann und Alexander Naumann sowie Niederlagen der beiden Spitzenbretter Artur Jussupow und Predrag Nikolic war es wieder einmal Sipke Ernst, der als »Magier« ein völlig ausgeglichenes Endspiel zum Sieg führen konnte, was den höchst glücklichen 4½:3½-Erfolg über die Essener perfekt machte.

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Matchwinner Sipke Ernst

Vorausgegangen war Bundesliga-Kampfschach, wie die Zuschauer es sich wünschen. Als der Parallel-Kampf zwischen Wattenscheid und Mülheim kurz nach der Zeitkontrolle mit einem 4:4 beendet worden war, liefen in unserem Duell noch sieben (!) Partien. Lediglich Michael Hoffmann hatte mal wieder »ein Partiechen angefertigt«, das ganz in seinem Sinne verlief und auch Teamchef Herbert Scheidt erfreute. Gegen den ukrainischen Neuzugang der Gäste, IM Nazar Firman (2495), konnte Michael nach einem sizilianischen Vierspringerspiel den schwarzen König in der Brettmitte halten und lief danach zur gefürchteten »Moskau-Form« auf, mit der er in diesem Jahr beim Aeroflot-Open brilliert hatte. Schwarz konnte sich niemals aus der Umklammerung lösen und in der aus Solinger Sicht besten Partie des Tages fuhr der in Münster wohnhafte Jurist einen vollen Zähler an.

Die nächsten Ergebnisse konnten erst nach über 4½ Stunden vermeldet werden: Relativ unspektakulär kamen dabei die Punkteteilungen von Jan Werle und Daniel Stellwagen zustande: Jan hatte in der Partie gegen GM Igor Glek (2538) mit Schwarz eine geschlossene Sizilianisch-Struktur auf dem Brett, in der das Gleichgewicht niemals ernsthaft gestört wurde. Daniel verlor im Duell mit seinem Landsmann GM Erwin L’Ami (2593) zwar frühzeitig einen Bauern, hatte aber dank der Anwesenheit von Schwerfiguren und ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett relativ geringe Mühe, die Partie dennoch Remis zu halten.

Dagegen nahm unsere Schwarz-Partie am Spitzenbrett einen bedeutend unangenehmeren Verlauf: Artur Jussupow hatte sich gegen die Blitz-Triumphator vom Vorabend, GM Andrei Volokitin (2645), wieder einmal auf die französische Winawer-Variante eingelassen, die er bereits beim Match der Generationen in Amsterdam ausgiebigst gegen die junge Generation getestet hatte. Leider erinnerte der Partieverlauf eher an seinen dortigen Verlust gegen Karjakin, als an die erfolgreichen Versuche. Dessen Landsmann Volokitin setzte unseren Routinier mit kraftvollem Schach immer schwerwiegender unter Druck, so dass die Essener dank dieser exzellenten Partie den verdienten Ausgleich erzielen konnte. Kurz danach ging Katernberg sogar unerwartet in Führung: Predrag Nikolic hatte mit Weiß gegen GM Alexander Motylev (2662) nach ruhiger Eröffnung die gewohnten positionellen Daumenschrauben angelegt, so dass der Russe schwer um das Remis zu kämpfen schien, als unser so zuverlässiger Bosnier in Motylevs Zeitnot völlig unerwartet eine Qualität einstellte, wonach die Partie nicht mehr zu retten war.

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Volokitin–Jussupow

Dieses Solinger Unglück wurde allerdings durch die Ereignisse am vierten Brett völlig kompensiert. Dort schien Alexander Naumann gegen GM Vladimir Chuchelov (2539) in den ersten zwei Spielstunden noch unter den Eskapaden seines Chefs in der Hamburger Apotheke zu leiden, der ihm nicht nur kurzfristig den Urlaub für das Bundesliga-Blitzturnier, sondern auch noch fast für das gesamte Wochenende gestrichen hatte. Auch wenn dieser Super-Gau noch verhindert werden konnte, war unser grundsolides Europa-Cup-Spitzenbrett zunächst nicht wiederzuerkennen. Nach seiner völlig schiefen Partieanlage konnte sich der Belgier in Katernberger Diensten trotz der schwarzen Steinen schnell über einen gesunden Mehrbauern inklusive besserer Stellung freuen. Doch Alex hatte sich offenbar seine gesamte Kreativität für die Zeitnotphase aufgehoben, in der er so exzellent unter Bauern- und Qualitätsopfer Verwirrung stiftete, dass Chuchelov völlig den Überblick verlor. So blieb eine Position übrig, in der das mächtige weiße Läuferpaar unter Hilfe eines weit vorgerückten Freibauern die schwarze Stellung »aufspiesste«, was den Ausgleich zum 3:3 zur Folge hatte.

Doch die Aufregungen waren noch nicht vorbei, was inzwischen in Solingen niemanden verwundert, wenn Sipke Ernst noch aktiv ist. Unser »Spike« hatte in seiner Begegnung mit IM Matthias Thesing (2410) durch »kreative Spielführung« wieder einmal für einige Aufregung gesorgt. Nach Minusbauern in der Eröffnung und zwischenzeitlichem kapitalen Bauerneinsteller im Endspiel (den Thesing allerdings auch übersah), waren die Spieler schließlich in einem Endspiel gelandet, in dem Sipke mit Springer und Läufer gegen Springer und Bauer faktisch keine Gewinnaussichten besaß. Wenn allerdings überhaupt irgendjemand derartige Stellungen in unserer Mannschaft gewinnt, dann unser angehender niederländischer Großmeister: Unglaublicherweise stellte Thesing bei langsam knapp werdender Bedenkzeit in der Finishphase den Springer ein, ließ sich danach gar nicht mehr die Matt-Technik von Sipke zeigen, sondern saß nach dieser höchst bitteren Niederlage noch minutenlang fassungslos am Brett.

Für unsere Mannschaft bedeutete dieser sehr glückliche volle Zähler auch des dritten »Euro-Fighters« dagegen die Entscheidung, denn IM Georgios Souleidis (2407) besaß gegen Jan Smeets keine realen Gewinnaussichten, so dass nach sechs Stunden der 4½:3½-Sieg perfekt und das Punktekonto mit 6:6 Zählern wieder ausgeglichen war.

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