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Umkämpftes Remis gegen Werder Bremen

Mit einem sehr spannenden und insgesamt leistungsgerechten 4:4-Unentschieden endete unser Duell mit dem deutschen Meister von 2005, Werder Bremen. Der Kampf bot in den schmucken Räumlichkeiten des Weser-Stadions alles, was einen packenden Bundesligakampf ausmacht. Nach zahlreichen interessanten Zeitnotduellen und komplexen Partien wurde schließlich die Weiß-Niederlage von Alexander Naumann gegen GM Alexander Areshchenko (2640) durch einen Schwarz-Sieg von Daniel Stellwagen über dessen Landsmann GM Zahar Efimenko (2613) ausgeglichen, während alle anderen Partien Remis endeten.

Da Teamchef Herbert Scheidt sich nach seiner Operation noch in der Rehabilitation befand und Markus Schäfer am Sonntag in der zweiten Mannschaft gebraucht wurde, feierte Valentino Usein nach einigen Jahren sein Comeback als Bundesliga-Teamchef, wobei es irgendwie passend war, das diese Rückkehr unseres Schiedrichter-Wartes des niederrheinischen Fußballverbands in der Ostkurve des Weserstadions stattfand. Sportlich war die Aufgabe dabei alles andere als einfach, da die Gastgeber nach einem bisher verpatzten Saisonverlauf mit Ausnahme von Vlastimil Babula ihre Bestbesetzung an die Bretter gebracht hatten, während unsere Mannschaft mit Artur Jussupow und Sandipan Chanda gleich auf zwei Spitzenbretter verzichten musste und somit nominell in der Außenseiterrolle war.

Der Kampf begann unspektakulär mit einer Punkteteilung zwischen Michael Hoffmann und dem Schweizer GM Yannick Pelletier (2588), die in einer Caro-Kann-Verteidigung mit 4…Sd7 alle Figuren abtauschten, bis ein völlig ausgeglichenes Turmendspiel auf dem Brett war. Alle anderen Begegnungen gingen bis in die Zeitnotphase, wo es einige dramatische Entwicklungen zu beobachten gab.

Ziemlich rational fiel noch das Unentschieden von Christian Gabriel aus, der gegen die Tarrasch-Verteidigung von GM Gennadij Fish (2529) zwar keinen Vorteil herausholte, aber nach seinem bisherigen unglücklichen Saisonverlauf eine stabile Punkteteilung erreichte. Dagegen überschlugen sich bei Sipke Ernst wieder einmal die Ereignisse: Zunächst hatte er aus einem »Black Tango« mit einer konzentrierten Vorstellung den dänischen GM Lars Schandorff (2534) völlig in die Defensive gedrängt, als er ohne Not eine ganze Figur einstellte! Zumindest war die schwarze Stellung so gut, dass er dank eines vorgerückten Freibauern noch ein Endspiel mit Turm gegen zwei Springer bei gleicher Bauernzahl an einem Flügel erreichte, in dem der Däne – vielleicht durch die aufregenden Ereignisse ebenfalls geschafft – etwas überraschend auf Gewinnversuche verzichtete.

So glimpflich wie Sipke kam Alexander Naumann nicht davon: Gegen den Bremer »100-%-Mann« GM Alexander Areshchenko (2640) hatte er mit den weißen Steinen in einem scharfen Sozin-System die Eröffnung verdorben und konnte gegen den ukrainischen Meister trotz hartem Kampf das Blatt nicht mehr wenden, was die Führung für die Werderaner bedeutete. Dafür lächelte uns am Nachbarbrett von Daniel Stellwagen Fortuna zu: Dieser hatte in einem Scheveninger System gegen das Läuferpaar von GM Zahar Efimenko (2612) immer etwas schlechter gestanden, bevor der Ukrainer in Zeitnot mit einem kapitalen Bock eine Qualität einstellte und den glücklichen Ausgleich ermöglichte.

Jan Smeets hätte in der Blitz-Phase sogar für die Führung sorgen können: mit Schwarz hatte er gegen das scharfe Shabalov-System im Anti-Meraner einige bange Momente gegen GM Tomi Nyback (2575) zu überstehen gehabt. Dieser hatte zwei Bauern und danach noch eine Qualität geopfert, um den schwarzen König im Zentrum zu halten. Als er die letzte Konsequenz im Angriff vermissen ließ, aber auch die Möglichkeit zum forcierten Remis ausließ, hätte Smeets mit einem Gegenangriff auf den weißen König sofort den vollen Zähler erringen können. Er wählte aber stattdessen in der Blitzphase den Übergang in ein Turmendspiel mit Mehrbauern. So war nach der Zeitkontrolle der Kampf beim Stande von 2½:2½ völlig offen.

Dies blieb auch nach dem Remis von Jan Werle so. Dieser hatte mit Schwarz gegen GM Zbynek Hracek (2611) in einem modernen Paulsen-Sizilianer eine verschachtelte Stellung erlangt, in der er ein interessantes Qualitätsopfer anbrachte. Letztlich änderte sich aber auch so nichts an der Stellungs-Bewertung und die Partie endete korrekt mit einem Dauerschach.

Am Spitzenbrett gab es die interessante Neuauflage des Duells zwischen Predrag Nikolic und GM Luke McShane (2614). Vor zwei Jahren hatte der britische Oxford-Absolvent in einer spektakulären Zeitnotschlacht am letzten Spieltag den Bremern die Teilnahme am Stichkampf um den dann errungenen Meistertitel gesichert. Auch diesmal wurde ein Abspiel des g3-Königsinders diskutiert, erneut schien Predrag nach einem Qualitätsopfer mit seinem starken Läuferpaar im Endspiel am Drücker, doch »Lucky Luke« erreichte mit einem Rückopfer ein ungleichfarbiges Läuferendspiel mit Minusbauern und damit den Remishafen.

Somit hing beim Stande von 3½:3½ alles davon ab, ob Smeets seinen Mehrbauern im Turmendspiel würde verwerten können. Zwar gelang es ihm seinen König maximal zu aktivieren, doch »Iceman« Nyback kreierte rechtzeitig genügend Gegenspiel mit einem eigenen Freibauern, das die Partie mit Dauerschach endete.

Ein Meinungsaustausch der jeweiligen Teamverantwortlichen ergab dann nach dem Kampf, dass sich die jeweiligen glücklichen Momente gleichmäßig auf beide Teams verteilt hätten, so dass alle mit der gerechten Punkteteilung nach einem tollen Kampf gut leben konnten.

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