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Erfolgreicher Auftakt zur zweiten Doppelrunde

schachbundesliga.deAm Samstag ging es gegen die Schachfreunde aus Emsdetten an die Bretter. Die Marschroute war klar: Es mußte unbedingt ein Sieg gegen den Aufsteiger aus dem Westen her. Ob dies gelang und wie sich unsere junge französische Neuverpflichtung Romain Edouard bewähren würde, erfahren Sie im folgenden Bericht.

Predrag Nikolic wählte in der Wiener Variante des Damengambits gegen seinen holländischen Gegner Ruud Janssen (2524) mit 7. a3 eine seltene Nebenvariante , die weiland von Larsen in die GM-Praxis eingeführt worden ist. Nachdem er es nicht über sich bringen konnte, den Verlauf der Partie mit 13. dc5: durch radikale Veränderung der Struktur in eine neue Richtung zu lenken, konnte Schwarz zunächst alle Eröffnungsprobleme überwinden und schließlich sogar die Führung übernehmen. In schließlich bereits kritischer Lage egalisierte Predrag aber die Partie durch Annahme des etwas überraschenden Remisangebots. Aufgehorcht, Sportsfreunde, soviel Respekt will erarbeitet sein. :)

Unsere junge Neuerwerbung aus dem benachbarten Süden, Romain Edouard, bekam es gegen Martin Zumsande (2411) in einem Steinitz-Franzosen mit einer modernen Interpretation von Morozewitsch zu tun (9… g5). Er reagierte zunächst gut und behielt wegen des geschwächten schwarzen Königsflügels eine leichte Initiative. Mit 21. Sc3 statt de5:, was den Vorteil festgehalten hätte, ließ er Schwarz jedoch wieder in die Partie. Als das Remis zum Greifen nahe war, patzte Schwarz jedoch mit 32… Lf4?? (Tf1: =), was Figuren- und Partieverlust zur Folge hatte.

Ebenso vor der Zeitkontrolle wurde auch die Schwarzpartie von Daniel Stellwagen gegen Michail Feygin (2569) entschieden. Durch eine listige Zugfolge gelang es dem Weißen, Daniel in einen scharfen 6.Le3-Naydorf zu locken. Allerdings ist auch dieser Stellungstyp Daniel nicht ganz fremd, hat er doch schon als Weißer so manche erfrischende Angriffspartie mit dieser Variante gewonnen …

Jedenfalls befanden sich beide nach einer recht eigenartigen Kombination der Züge h6 und Sfd7 bald auf fremden Territorium. Feygin gelang es aber infolge zu wenig energischen Spiels nicht, die Schattenseiten zweier nicht zueinander passender Eröffnungsideen aufzudecken. Vielmehr lag es bei Daniel, mit 19… Sf3: 20. Df3: Se4: 21. Ka1 Sc3 22. Df6 Da5 23. a4 Sd1: 24. Sd1: De5 bereits entscheidend in Vorteil zu kommen. Fairerweise muß gesagt werden, daß diese Erkenntnisse der Rechenkraft des »Bocks« entspringen.

Nachdem Feygin im 26. Zug mit Sc4 eine Möglichkeit ausließ, die Partie zum Remis zu führen und später mit 35. Sd6 weiter in einer komplizierten Partie zu bleiben, konnte unser »Taktikfuchs« in einem Zeitnotscharmützel die Partie schließlich zu seinen Gunsten entscheiden.

Vor der Zeitnotkontrolle erreichte auch Alexander Naumann gegen Dennis de Vreugt (2435) entscheidenden Vorteil. In einer mutigen Version des geliebten Naydorf mit 6. Le3 Sg4 gelang es dem Weißen in einer der kritischen Behandlungsweisen dieser Variante nicht, im Mittelspiel Kapital aus den strukturellen Gegebenheiten der Position zu schlagen. Nach 20… d4 ging bereits die Initiative auf Schwarz über. Dies führte mit tatkräftiger Unterstützung der mächtigen »Stange« auf g7 bald zum Übergang in ein vorteilhaftes Endspiel und einige Züge später zu einem kompensationslosen Figurengewinn. Warum de Vreugt das Endspiel mit Minusfigur auch nach der Zeitkontrolle noch fast eine Stunde fortsetzte, erschließt sich allerdings dem kundigen Betrachter nicht.

Nach der Zeitkontrolle schaute es in den verbliebenen vier Partien wie folgt aus: Ein gewonnenes Endspiel bei Rainer Buhmann, leicht bessere, unverlierbare Stellung beim Berichterstatter Michael Hoffmann, Gewinnstellung bei Markus Ragger und ein sehr problematisches Schwerfigurenendspiel bei Jan Werle plus das gewonnene Endspiel bei Alexander. Alles in allem war also ein klarer Sieg zu erwarten. Doch der Reihe nach:

Jan diskutierte mit seinem jungen indischen Gegner mit russischem Paß und niederländischer Wahlheimat Anish Giri (2466) als Schwarzer eine sizilianische Kan-Variante. Statt im 13. Zug in einer Standardstellung kurz zu rochieren, verfiel er jedoch auf das riskante und insbesondere in Essener Schachzirkeln sehr beliebte Konzept, den König mit h5 im Zentrum zu belassen. Statt später mit 18… Lf6 Schadensbegrenzung zu betreiben, wurde die provokante Strategie mit Lh4 fortgesetzt. Erst mit 29. Le5: bekam Jan von Giri, der die Partie bis dahin sehr stark geführt hatte, wieder Überlebenschancen. Wegen seines permanent schutzbedürftigen Königs blieb jedoch auch das sich anschließende Schwerfigurenendspiel recht problematisch. Vielleicht hätte 37… Kf8 oder f6 bessere Rettungschancen geboten?! Nach der Zeitkontrolle entschied Giri die Partie dann jedoch in gutem Stil zu seinen Gunsten.

In meiner Partie fand ich mich nach der Eröffnung auf der schwarzen Seite eines g3-Königsinders wieder; ich wollte einfach mal wieder neue Stellungsbilder sehen. Tatsächlich konnte ich mit dem Eröffnungsverlauf sehr zufrieden sein und durfte nach dem Vorstoß 16… c5 bereits leichte Vorteile auf der Habenseite verbuchen. Letztlich vermochte ich die stets leicht angenehmere Partie zu nichts Konkretem verdichten und mußte mich nach ca. 5 Stunden erfolgloser Bemühungen ins Remis fügen.

Fast zeitgleich konnte Markus Ragger gegen Alexander Kabatianski (2436) den Mannschaftssieg sicherstellen: In einem Gemisch aus Taymanov- und Kan-Sizilianer konnte er mit 13. Nc4 eine neue Idee in einem Endspiel kreiern, das bis dato als eher unproblematisch für Schwarz galt. Als Schwarz es versäumte, unter Materialrückgabe mit 15… Sd5 die weiße Initiative einzudämmen, nutzte Markus systematisch seine aktivere Stellung (offene d-Linie etc.), um schließlich im 40. Zug Material zu gewinnen und diesen Vorteil sicher zu verwerten.

Schließlich konnte auch Rainer Buhmann seinen Vorteil gegen Peng Zhaoqin (2455) verwerten. In einem seltenen angenommenen Damengambit mit 4… Lg4 begnügte er sich damit, nach kurzer Rochade geduldig kleine Vorteile anzuhäufen. Nach 29. e4 und 35. d5 wurden schließlich die schwarzen Figuren soweit zurückgeworfen, daß die weißen Vorteile nahtlos in den Gewinn eines wichtigen Zentralbauern mündeten. Im verbliebenen Endspiel konnten selbst die ungleichen Läufer angesichts der passiven Stellung Schwarz nicht vor dem Untergang bewahren. 6:2 Endstand!

Alles in allem ein verdienter und klarer Sieg, der allenfalls in der Höhe etwas zu hoch ausgefallen sein mag.

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