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Kantersieg gegen Dresden

schachbundesliga.deNach einem opulenten Abendessen bei einem unserer Stammrestaurants am Samstagabend war das Ziel schnell abgesteckt: Ein klarer Sieg gegen den Aufsteiger aus dem Elbflorenz sollte her, um unsere Qualifikationschancen für den europäischen Mannschaftswettbewerb zu wahren.

Für den frühen Rundenbeginn wurde ich diesmal durch den Anblick meiner reizenden Gegnerin Kseniya Rybenko (2243), die an diesem Wochenende ihr Debüt für die Dresdner Mannschaft hatte, entschädigt.

Die weiße Partieanlage gegen mein Sizilianisch mit 3. Lb5+ fiel zunächst nicht durch besonderen Ehrgeiz auf. Nach der Eröffnung war ich stolzer Besitzer des Läuferpaares, ohne daß Weiß einen erkennbaren Gegenwert in die Waagschale hätte werfen können. 4. oder 6. d4 dürfte einen besseren Versuch darstellen, gegen den schwarzen Aufbau mit 3… Sd7 zu spielen. Dennoch hält sich der schwarze Vorteil lange Zeit sehr in Grenzen. Wahrscheinlich sollte das ungeduldige 15… Ld5:, was die Struktur endgültig klären sollte, besser durch 15… Lg7 mit Aufrechterhaltung der Spannung ersetzt werden, mit guten Perspektiven. Die Weiße reagiert sodann in der Partie mit 17. Dh6 und 21. Df6 sachgerecht. Die Struktur ist zwar nach 20… e5 besser für Schwarz, aber dennoch ist die Remiswahrscheinlichkeit hoch. 24. b4 war m. E. ein unnötiges Zugeständnis. Besser ist entweder 24. Tfb1 oder das von mir ebenfalls befürchtete 24. h4!? Tb3: 25. h5 e4 26. Tfe1 mit vorzüglichen Remischancen.

Später war statt 31. g4 das vorsichtigere g3 vorzuziehen. Der Knackpunkt der Partie war aber erst der Zug 33. g5, was durch den Übergang ins Turmendspiel mit 33. De7: Te7: 34. Kg2 und weiterhin intakten Remischancen zu ersetzen war. Vielleicht hatte meine Gegnerin übersehen, daß in der Partie 35. Td7 Te6 36. Te7 an Kf8 scheitert. Nach dem Verlust des zweiten Bauern war das Turmendspiel technisch verloren.

Als zweite Partie wurde jene von Jan Werle gegen Gernot Gauglitz (2397) beendet. Jan wich gegen das Grünfeld-Indisch von seinem üblichen Repertoire ab und wählte mit 4. Lf4 und 9.Sge2 eine recht giftige Nebenvariante. Mit 10… Da5 vermeidet Schwarz in vertretbarer Weise mögliche Komplikationen nach der Hauptfortsetzung 10… Sc6 11. Sb5 Dh5 12. Sg3 Dh4 13. Sc7 usw. Interessant ist auch der Zug 10… Dh5.

12… Dh5 erlaubt Jan in einer recht symmetrischen Stellung, sehr unangenehmen positionellen Druck durch besseres Figurenspiel aufzubauen. Mit 12… Sh5 13. a3 Sf4: 14. Sf4: Lg4!? 15. f3 Lc8 hätte Schwarz stattdessen das weiße Läuferpaar halbieren können mit erträglicher Stellung (+=/=).

Später gefällt mir statt 20… Ld3: Le6 21. Sa4 Se8 22. Te6: fe6: 23. Sc5 Sd8 besser. Danach ist die schwarze Situation zwar auch nicht einfach, aber immerhin hat er eine Qualität mehr für seine miserable Stellung. Nach dem letzten Fehler 25… Sg4 ist die Partie entschieden. Hier konnte Schwarz noch mit 25… Tfd8 26. Tf5 Td6: 27. Dd6: Dg6 28. Le5: Se4: in schlechterer Stellung kämpfen.

Predrag wählte in seiner Partie gegen Michael Roos (2367) eine im Angenommenen Damengambit recht seltene Aufstellung mit 4… Lg4. Die weiße Behandlung mit 9. Kh1, was offenbar e4 vorbereiten soll, erscheint mir recht bizzar. Was spricht gegen eine natürliche Vollendung der Entwicklung mit 9. h3 Lh5 10. b3? In der Partie kann Weiß sein Bauernduo e4/d4 nach 10… Lb4 ohnehin nicht halten, so daß Schwarz bereits anfängt, etwas angenehmer zu stehen. Schließlich verlagert 17. Sc5 die weißen Probleme nur: Jetzt ist nicht mehr der Bauer d4 schwach, sondern nunmehr der Bauer e5. Der partieentscheidende Fehler dürfte der 23. Zug des Weißen sein. Nach 23. Lb1 h6 24. Lf4 oder 23… f4 24. g3 sollte Weiß immer noch alle Chancen haben, die Partie dank seines Läuferpaares zu halten. Nach der Partiefortsetzung kommen dank Predrags technischer Fähigkeiten keine Zweifel mehr am Ausgang der Partie auf.

In seiner Partie gegen Jens-Uwe Maiwald bot Daniel mit Weiß eine ansprechende Leistung. Daniel wählte gegen die schwarze Sizilianisch-Formation mit 6. g3 einen nicht so gängigen Aufbau. Dieser sollte nach 7. Sb3 direkt mit Lb4 8. Lg2 d5 bzw. 8… Da6 9. Dd3 b6 in Frage gestellt werden. Nicht nachvollziehbar ist auch für mich die positionelle Bankrotterklärung des Schwarzen mit 13… Lb5. Hier sollte etwas wie 13… h5 14. h3 e5 mit spielbarer Stellung geschehen. Partieentscheidend dürfte später 21… Sg4 sein, nach dem naheliegenden 21… Ta8 sollte der weiße Vorteil noch erträglich sein. Das in der Partie entstandene Endspiel dagegen ist völlig perspektivlos, am Ende verläuft sich auch noch der schwarze Springer unrettbar von seiner Truppe auf a3, mit fatalen Konsequenzen.

Nach der Zeitkontrolle steht es also 4:0, wobei auch in allen verbliebenen Partien sich lediglich die Frage stellt, ob wir sie gewinnen können oder nicht.

Sipke diskutiert mit seinem jungen Gegner vom Dresdner Schachgymnasium, Felix Graf (2287), eine ruhige Katalanisch-Variante. Schwarz wählt hier mit 8… Se4 und späterem f5 eine Überleitung zu einer holländischen Struktur, die mir an dieser Stelle etwas fragwürdig erscheint. Für die stellungsgemäße Öffnung der Stellung mit f3 scheint mir die schwarze Stellung nämlich nicht hinreichend gerüstet zu sein. Statt 12. Sc3 stand Sipke mit 12. Sd2 noch eine gute Alternative zu Gebote, die mir noch etwas besser gefällt: nach 12… Lg5 folgt 13. Lg5: Dg5: 14. Dc3 Sf6 15. f3 ef3: 16. Sf3: mit klarem Vorteil (Tukmakov-Boric, 2000); nach 12… Lf6 führt 13. Ld6 Tf7 14. e3 e5 15. Db3 zu weißem Vorteil (Kaidanov-Benjamin,1993).

In der Partie Partie erlangt Schwarz später schließlich dank seines gedeckten Freibauern d5 gleiches Spiel. Nach 22. Dd4 hätte er jedoch mit Dd4:+ 23. Td4: Tae8 24. Kf2 Lc8= die Bauernstruktur beibehalten sollen. Nach 23. Df6: scheiterte Tf6: bereits an 24. Se4. Dank des idealen Blockadefelds d4 und der leicht zerrütteten Struktur des Schwarzen am Königsflügel hat Weiß in der Folge wieder (etwas) Vorteil, den er mit stellungsgemäßen Umgruppierungen seiner Figuren kundig ausbaut. Allerdings geht Sipke mit 32.b4 und 33. Sb3 an der guten Möglichkeit Lf5 vorbei: 32… Lf5: 33. Sf5: Te4 34. Sd6 Te7 35. b4 und Schwarz hat Probleme, seine Schwächen zu verteidigen.

Nach dem trickreichen 35. h3!? verpaßt Schwarz seine Chance, sich mit 35… Lh3: 36. Th1 Lg4 37. Th6: und nun entweder 37… b6 oder Ld1 zäher zu verteidigen mit jeweils intakten Remischancen. Nach diesem Versäumnis dürfte die Partie kaum noch zu halten sein.

Jan Smeets bekam es in seiner Schwarzpartie mit Paul Hoffmann (2338) zu tun. Gegen dessen Königsläuferspiel baut sich Jan mir c6 und d5 betont solide und konventionell auf. Bereits im 7. Zug macht Weiß deutlich, daß er keine sehr ehrgeizigen Ziel verfolgt. Allein mit 7. Sg5 0-0 8. Sce4: Se4: Se4: kann Weiß an dieser Stelle um einen kleinen Vorteil kämpfen. Die Partie schlägt schließlich in der Folge auch keine hohen Wellen. Aus einem späteren völlig ausgeglichenen Endspiel bemüht sich Jan noch, einen kleinen Vorteil herauszupressen, doch vergebens!

In Rainers Schwarzpartie gegen Jakov Loxine (2338) ensteht durch Zugumstellung eine Stellung des Angenommenen Damengambits mit dem zu vernachlässigenden Unterschied, daß der schwarze Randbauer noch auf a7 statt auf a6 steht. Nach wenig energischem Spiel des Weißen ist die Partie nach 20 Zügen völlig ausgeglichen. Im weiteren Verlauf der Partie dürften Rainer mehrere Remisangebote des Gegners in dem Entschluß bestärkt haben, die Partie auszukämpfen.

Nach der Zeitkontrolle ist die Partie zunächst immer noch etwa ausgeglichen. Aus praktischer Sicht spielt sich die schwarze Stellung jedoch einfacher, weil die weiße Bauernmehrheit am Damenflügel entwertet ist, und Schwarz früher oder später versuchen kann, mit Dame und Springer den weißen König zu attackieren. Erstaunlicherweise kann Weiß sogar ohne allzu ernsthafte Störung des Gleichgewichts mit 59. Dg4?! (statt 59. De4=) den Bauern f2 einstellen. Allerdings hätte er danach zunächst den schwarzen König durch 63. Db8+Ke7 64. Dc7+ nach f6 lotsen sollen, bevor er den Bauern a5 einstreicht. Das dann nach 65. Da5: g5 entstehende Damenendspiel sollte haltbar sein. In der Partie dagegen wird Weiß dreizügig mattgesetzt.

In der letzten noch laufenden Partie servierte Artur seinem Gegner die Rubinstein-Variante im Nimzoinder. Der Schwarze weicht hier mit 7… a6 bereits frühzeitig von den bekannten und bewährten Fortsetzungen 7… c6 oder 7… dc4: ab. Später stellt 13… e5 einen radikalen Versuch dar, der durch Raumnachteil begünstigten Einschnürung auf dem ganzen Brett vorzubeugen. Dieser Versuch erfährt jedoch mit 15. Scd5:! eine taktische Widerlegung. Nach einer langen Abwicklung verbleibt Weiß mit Turm und zwei Bauern gegen zwei wenig koordinierte Leichtfiguren bei klarem Vorteil. Statt 23. De2 hätte Artur seinem freien c-Bauern mit 23. Da6 Tb4: 24. Tfc1 Tb8 25. c6 bereits vernichtende Wirkung einhauchen können. Auch die Partiefortsetzung ist sehr vielversprechend, birgt aber noch einige technische Schwierigkeiten.

Diese waren m.E. auch nach dem Damentausch z.B. mit 54. Ta1 Lc7 55. h5 noch zu überwinden: Man sehe: 55… Sh5: 56. Kh5: Kd6 57. Tc1 Lb6 58. Kg6 Lc7 59. Kf5 Kd5 60. Tc2 Kd6 61. Ke4 Lb6 62. Tc4+-. Nach 55… Ld8+ dagegen ist die Partie plötzlich remis, da Schwarz den Übergang ins Endspiel Turm gegen Läufer erzwingt, wo er seinen König korrekt in der richtigen Ecke postiert.

Endstand 7:1

Michael Hoffmann

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