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SG ist Deutscher Meister!

Deutscher Mannschaftsmeister 2015/2016(© Guido Giotta)

Deutscher Mannschaftsmeister 2015/2016!
(© Guido Giotta)

logo-blEs ist vollbracht! Mit einem 5:3-Erfolg über den SV Griesheim hat sich unser Bundesliga-Team sensationell den Deutschen Meistertitel gesichert und tatsächlich die 10-jährige Siegesserie der OSG Baden Baden unterbrechen können. Vor­aus­­­ge­gan­gen war jedoch ein kleiner Krimi, der die Nerven von Teamchef Herbert Scheidt und der zahlreichen Zuschauer in der Stadt-Sparkasse heftig strapazierte. Gegen die aufopferungsvoll um den Klassenerhalt kämpfenden Griesheimer drohte lange ein Unentschieden oder sogar eine knappe Niederlage, bevor Jan Smeets und Robin van Kampen mit ihren beiden abschließenden Siegen für allgemeine Erleichterung und kollektiven Meisterjubel sorgten.

Wie schon Hockenheim am Vortag gehört der SV Griesheim wahrlich nicht zu unseren »Lieblings-Gegnern«. In den drei Begegnungen der letzten 5 Jahre hatte es gegen die Hessen trotz jeweils klarer nomineller Überlegenheit zwei knappe Zittersiege und ein Unentschieden gegeben. Zudem hatten die Griesheimer, obwohl sie gleich auf fünf Großmeister aus ihrem »Stamm-Achter« verzichten mussten, bereits am Vortag gegen die SG Trier exzellenten Kampfgeist bewiesen und nach Führung eine am Ende etwas unglückliche 3½:4½-Niederlage hinnehmen müssen. Dennoch hofften viele Zuschauer, dass durch die auch nach der Einwechslung von Dr. Florian Handke für den wieder nach Stavanger abgereisten Markus Ragger sehr deutliche Favoritenstellung unseres Teams keine große Spannung mehr aufkommen und der Meistertitel souverän errungen werden würde.  Doch es sollte anders kommen …

Bereits frühzeitig zeigte sich bei mehreren Akteuren das Nervenflattern:  Sandipan Chanda, der sonst eine ausgeprägte Abneigung gegen Kurz-Remisen besitzt, fühlte sich mit Schwarz in einer unklaren Semi-Slawisch-Stellung gegen das ungarische Urgestein, den 70jährigen GM Ivan Farago (2389), nicht wohl und forcierte bereits nach 20 Zügen die Punkteteilung. Auch Artur Jussupow erreichte als Schwarzer mit seiner russischen Verteidigung gegen den jungen, bei Griesheim im Vergleich zum Vortag neu ins Team gerückten FM Robert Baskin (2340) nur ein völlig ausgeglichenes Doppelturmendspiel, in dem ebenfalls schnell Frieden geschlossen wurde.

Deutlich mehr Freude bereitete den Zuschauern dagegen wieder einmal Spitzenbrett Richard Rapport, der gegen den polnischen GM Marcin Tazbir (2510) aus einer völlig ausgeglichen erscheinenden Reti-Position binnen weniger Züge einen unnachahmlichen Angriff gegen den am Damenflügel befindlichen schwarzen König initiierte und mit diesem Sieg seine Saisonbilanz auf großartige 9/11 schraubte. Doch trotz dieser Führung wollten die Sorgenfalten bei Teamchef Herbert Scheidt nicht verschwinden, da insbesondere an den unteren Brettern die Partien wahrlich nicht wunschgemäß verliefen.

Alexander Naumann bewies gegen Stefan Walter (2400) zwar seine Vielseitigkeit und wechselte im Vergleich zum Vortag von 1. e4 auf 1. d4, doch er konnte aus seiner Katalanisch-Position nicht einmal einen mikroskopischen Vorteil herausholen, so dass auch hier noch deutlich vor der Zeitkontrolle Frieden geschlossen wurde. Währenddessen war Dr. Florian Handke mit Schwarz gegen Ronald Koehler (2275) aus einem Chebanenko-Slaven in einer sehr passiven Stellung gelandet und stand zumindest sehr verdächtig. Auch Predrag Nikolic hatte mit Weiß gegen den jungen polnischen IM Lukasz Jarmula (2398) nichts herausgeholt und stand etwas unangenehmer. Dennoch hat der zähe Bosnier solche Stellungen schon unzählige Male auch gegen deutlich stärkere Gegnerschaft souverän verteidigt, doch kurz vor seinem ersten Mannschaftstitel nach inzwischen 17 Jahren in unserer Mannschaft spielten die Nerven auch dem so routinierten Seniorenweltmeister einen Streich, und er stellte eine Figur ein, was die sofortige Aufgabe zur Folge hatte.

Beim Stande von 2½:2½ wurde es nun richtig spannend. Neben der schlechteren Stellung von Florian Handke verfügte Jan Smeets in seiner Partie gegen IM Gyula Izsak (2440) über Vorteile, während Robin van Kampen nach einer langen und zweischneidigen Hauptvariante im klassischen Königsinder mit Schwarz gegen IM Jaroslaw Krassowizkij (2446) zwei Bauern für Königsangriff geopfert hatte. Aus diesen drei Partien mussten unbedingt zwei Punkte her, um einen Stichkampf gegen die seit ihrer Niederlage gegen Werder Bremen wieder gewohnt souverän agierenden Baden Badener zu vermeiden.

Ein erster wichtiger Schritt war dabei die Punkteteilung am achten Brett. Florian Handke verteidigte sich zäh und konnte in leicht schlechterer Position mit einem gut getimten Remisangebot kurz vor der Zeitnotphase einen enorm wichtigen halben Zähler einfahren. Damit lag nun die Verantwortung bei unserer holländischen Fraktion, die dieser Aufgabe trotz der Nervenanspannung bravourös gerecht wurde. Jan Smeets verdichtete seine Vorteile und gewann im Endspiel mit jeweils drei Schwerfiguren einen Bauern. Dennoch war die Stellung mit einigen taktischen Fallstricken bei sehr knapper Bedenkzeit nicht einfach, doch Jan minimierte souverän durch gezielte Abtäusche das gegnerische Angriffspotential und konnte schließlich mit einer hübschen drohenden Unterverwandlung in einen Springer den eminent wichtigen Sieg zur 4:3-Führung sicherstellen.

Matschwinner Robin van Kampen in seiner Partie gegen XYZ.(© Guido Giotta)

Matchwinner Robin van Kampen in seiner Partie gegen Jaroslaw Krassowizkij.
(© Guido Giotta)

Damit hätte nun ein Remis am zweiten Brett genügt, doch der mit enormen Selbstbewusstsein ausgestattete Robin van Kampen wollte längst mehr, nachdem er seine zwei geopferten Bauern zurückgewonnen und den weißen König zum Damenflügel getrieben hatte. Doch auch dort konnte sich der Monarch aufgrund der beiden abseits stehenden weißen Springer nicht gegen die deutlich besser koordinierten schwarzen Figuren verteidigen. Der sehr faire Krassowizkij erlaubte Robin schließlich ein wunderschönes Finale für die Sicherung des Meistertitels, das nach einem Turmopfer mit einem schönen Springermatt endete, wonach das 5:3 perfekt war und spontaner Applaus in der Stadt-Sparkasse aufbrandete. Schon während der durch den Liga-Vizepräsidenten Ulrich Geilmann im Beisein von DSB-Präsident Herbert Bastian durchgeführten Siegerehrung wurden die verschiedenen Komponenten für diese Sensationssaison von Zuschauern, Fans und Verantwortlichen diskutiert.

Zunächst ist sicherlich das sensationelle Abschneiden der Neuzugänge zu nennen:  Pentala Harikrishna (7½/9) und Richard Rapport (9/11) brillierten an den Spitzenbrettern mit Elo-Performances von 2880 bzw. 2871. Robin van Kampen stand ihnen mit 10/13 und einer Elo-Leistung von 2730 kaum nach. Zudem sorgten alle drei für enorm wichtige Siege oder Remisen in den Spitzenkämpfen gegen Schwäbisch Hall, Bremen oder Baden Baden.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch Jan Smeets, der berufsbedingt zwei Jahre lang fast nicht mehr gespielt hatte, vor der Saison schon aus dem Kader genommen werden sollte und mit 10/14 ein glänzendes Comeback feierte. Im Sog dieser hervorragenden Individual-Leistungen steigerte sich auch die gesamte Mannschaft, die zudem von einem exzellenten Teamgeist lebt. Spieler wie Artur Jussupow, Predrag Nikolic, Alexander Naumann oder Sandipan Chanda sind bereits seit über einem Jahrzehnt dabei und wurden für dieses langjährige Engagement nun mit dem überraschenden Meistertitel belohnt. Markus Ragger verpasst seit 9 Jahren fast keinen Termin für die Mannschaft und zeigte seine ganz besondere Vereinsverbundenheit durch seinen Einsatz am letzten Wochenende, an dem er zudem noch einen immens wichtigen Sieg beisteuerte. Schließlich haben auch Erwin L’Ami, Florian Handke und Ralf Appel alle in wichtigen Kämpfen gepunktet und so ihren Teil zur Meisterschaft beigesteuert.

Dennoch wäre diese Erfolgsgeschichte unmöglich ohne das finanzielle Engagement von Michael Kölker, der die Mannschaft im April 2014 vor dem Rückzug aus der Bundesliga bewahrte und die Verpflichtung der Neuzugänge für dieses Jahr erst möglich machte. Ihm gilt in den Zeiten knapper Kassen, in dem sich immer mehr Sponsoren und Mäzene zurückziehen, ein ganz besonderer Dank.

Abschließend freuen sich aber alle Team- und Vereinsmitglieder sowie viele Schachfreunde aus Solingen und Umgebung vor allem mit einem Mann, mit dem Bundesligaschach in Solingen untrennbar verbunden ist. Seit über 50 Jahren agiert Herbert Scheidt zunächst noch als Spieler, später als Sponsor und von Beginn an als Mannschaftsführer und Teamchef für die erste Mannschaft der Solinger Schachgesellschaft. Er war bereits im Jahre 1968 dabei, als der erste von nun 12 Meistertiteln errungen wurde. Dieser mehr als überraschende Titelgewinn nach 19 Jahren ist ihm mehr als zu gönnen!

Die Schachgesellschaft Solingen gratuliert der gesamten Mannschaft und ihrem Teamchef Herbert Scheidt herzlich zur Deutschen Meisterschaft!

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