Mit einem 5½:2½-Erfolg beim Ratinger SK konnte die III. Mannschaft auch ihr zweites Spiel in der NRW-Liga gewinnen. Dabei vermittelt das am Ende klare Ergebnis aber einen falschen Eindruck über den Kampfverlauf, in dem die Gastgeber sehr lange auf einen Sieg hoffen konnten und bei dem wir letztlich nur von unserer deutlich besseren Chancenverwertung profitierten.
Dabei war der Auftakt beim ambitionierten Aufsteiger für uns optimal geglückt. Der Gegner von Oliver Kniest verwechselte in der Eröffnung zwei Varianten und landete dadurch in einer Stellung mit Minusbauer und schlechterer Struktur, so dass Olli bereits nach etwa zwei Stunden Spielzeit den Führungstreffer erzielen konnte.
Die nächsten Entscheidungen fielen erst kurz vor der Zeitkontrolle und da sah es an vielen Brettern für uns sehr kritisch aus: Dr. Anton Hannewald hatte gegen die Moderne Verteidigung des langjährigen Solingers Carsten Meis eine aggressive Variante mit viel Raumvorteil gewählt, übersah dann aber beim Übergang ins Mittelspiel eine kleine Taktik, die ihn eine Figur für nur zwei Bauern kostete. Zwar konnte er etwas Inititative gegen den schwarzen König aufbauen, doch trotz knapper Bedenkzeit verteidigte sich Carsten sehr präzise und sorgte für den Ausgleich. Am Nachbarbrett kam es hingegen zu einer unerwarteten Wendung zu unseren Gunsten: Ewald Fichtner hatte nach einem taktischen Versehen seine Dame gegen Turm und Springer abgeben müssen, hoffte im Endspiel dank eines Freibauern und guter Figurenkoordination aber zumindest auf hinreichende Kompensation für einen halben Zähler. In Zeitnot kam seinem Gegner aber das Gefühl für Gefahren abhanden, so dass er zu ungeduldig die Bildung eines eigenen weit vorgerückten Freibauern forcierte und dabei in ein Mattnetz lief, das Ewald mit Turm, Springer und König für den gegnerischen Monarchen geknüpft hatte.
Kurze Zeit später konnte Stephan Borchert die Führung auf zwei Zähler ausbauen. In einer Philidor-Verteidigung verzichtete sein Gegner mit Schwarz auf die Rochade und startete frühzeitig Angriffsoperationen am Königsflügel. Es entwickelte sich eine sehr komplizierte Partie, in der es Stephan in einer sehr verschachtelten Position letztlich gelang, entscheidend Linien gegen den schwarzen König zu öffnen, während sich sein eigener König erfolgreich gegen schwarze Angriffe verstecken konnte.
Merlin Mänken musste zwei Schreckmomente an diesem Sonntag überstehen. Zunächst realisierte er unmittelbar vor der Partie, dass er sich auf die falsche Farbe vorbereitet hatte. Danach entstand eine typische Englisch-Position, in der Weiß stets auf einen mikroskopischen Vorteil pochen konnte. Merlin hielt die Stellung aber zunächst präzise mit aktivem Gegenspiel im Gleichgewicht und erreichte ein Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern, bevor ihm ein schweres Versäumnis unterlief. Beim Versuch, die Stellung unmittelbar zum Remisendspiel zu vereinfachen, übersah er einen Zwischenzug seines Gegners, der durch eine Mattdrohung plötzlich zum Verlust von Merlins Läufer geführt hätte. Zum Glück ging sein Kontrahent in beiderseitiger Zeitnot auch an dieser Chance vorbei und die Partie endete im ungleichfarbigen Läuferendspiel Remis.
Für den Siegtreffer sorgte dann wie bereits in Südlohn Kevin Zolfagharian , der aber abgesehen vom Ergebnis mit seiner Partie sehr unzufrieden war. In einer geschlossenen Katalanisch-Struktur zettelte Kevin statt eines positionellen Ansatzes taktische Komplikationen an und hoffte auf Materialgewinn. Dabei hatte er sich aber verrechnet und musste eine Schwächung seiner eigenen Königsstellung hinnehmen, die sein Gegner zu einem außerordentlich gefährlichen Angriff hätte nutzen können. Zum Glück fand er den dafür notwendigen Damenzug nicht, so dass sich Kevin konsolidieren und den Materialvorteil zum vollen Zähler ummünzen konnte.
Im Hinblick auf die 4½-Führung war es zu verkraften, dass sich Kian Scheidtmann im Anschluss geschlagen geben musste. Gegen den Jobava-London-Aufbau von FM Ralf Gräber erreichte Kian zunächst Ausgleich, agierte dann aber mit langer Rochade und Bauernvorstößen am Damenflügel zu ambitioniert. Sein Gegner opferte folgerichtig eine Figur für einen sehr gefährlichen Angriff gegen den relativ schutzlosen schwarzen König, den Kian trotz einiger taktischer Komplikationen nicht abwehren konnte.
Zum Abschluss durfte sich Batuhan Gülcan noch über sein erfolgreiches NRW-Liga-Debüt freuen. Dabei war der Verlauf seiner Partie sinnbildlich für den gesamten Kampf, in dem wir einfach das glücklichere Team waren. Der Ratinger Routinier Norbert Krüger hatte sich in einem Schwerfigurenendspiel mit deutlich besserer Bauernstruktur einigen Vorteil erarbeitet, als er taktisch fehlgriff, was Batuhan zu einem Turmopfer nutzen konnte, das ihm Dauerschach garantierte. Doch wie es so oft im Schach läuft, wollte der Weiße den vermeintlich verschenkten halben Zähler nicht akzeptieren und ließ beim Versuch, aus dem Dauerschach zu entfliehen, die Abwicklung in ein Damenendspiel zu, in dem Batuhan plötzlich zwei Mehrbauern aufwies. Diesen Vorteil ließ er sich nicht mehr nehmen und verwertete ihn nach etwa 5 Stunden Spielzeit zum Endstand von 5½:2½.
In unserer NRW-Liga-Gruppe sind nun nach zwei Spieltagen nur zwei Teams noch verlustpunktfrei. Genau diese beiden Mannschaften treffen am 29.11. aufeinander, wenn wir im Schachzentrum die SF Katernberg empfangen.