Der 4½:3½-Auswärtssieg in Langenberg sichert der VII. Mannschaft den zweiten Platz in der 1. Bezirksliga.
Wie schon beim ersten Mannschaftskampf konnte Tim Kondziella als Erster in den Rest-Sonntag starten, und ebenfalls wie beim ersten Mannschaftskampf mit einer „1“, was den sonnigen Sonntag zusätzlich verschönerte. Der Langenberger Schachfreund unterminierte im abgelehnten Damengambit ohne Not sein Zentrum, wonach Tim die schwarzen Bauern am Damenflügel nur einsammeln brauchte.
Marius Fränzel konnte gegen den Königsindischen Angriff seinen Eröffnungsvorteil in ein leicht besseres Mittelspiel transformieren, gleichwohl blieb die Stellung komplex. Im späteren Verlauf (ver-)manövrierte Marius sich in eine passive Stellung, ein brutaler Bauerneinsteller machte die Sache für seinen Gegner aber zu einfach. Schade.
Also, mit Orang-Utan kann man noch viel Neuland betreten … So hatten wir bei Helmut Meckel nach dem 7. Zug von Schwarz eine Stellung auf dem Brett, die es in der 6,2 Milliarden umfassenden Lichess-Database bis dato noch nicht gab! Ungewohnte Stellungsbilder mit ungeahnten Möglichkeiten. Schwarz hatte eine Figur mehr, Helmut ein Doppelfreibauerpaar, welches bereits auf die siebte und sechste Reihe vorgedrungen war. Eines dieser Bauern hätte sich Schwarz entledigen können, stattdessen folgte ein Alternativzug mit Remisangebot. Diesem wurde gefolgt.
Bilal Wawi erwiderte 1. e4 mit der grundsoliden Tartakower-Variante im Caro-Kann, deren Popularität in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Ein sicherer König, von vier anstatt von drei Bauern vor ihm geschützt, aber gleichzeitig eine gewisse Dynamik innewohnend – das ist so ungefähr der Charakter der Variante. Als sich Bilals vier Königsflügelbauern in Bewegung setzten, reagierte der Gegner in objektiv ausgeglichener Stellung panisch und gab eine Figur für zwei auf seinen König vorrückenden Bauern. Kompensation konnte damit indes nicht erzielt werden. Den Materialvorteil brachte Bilal dann locker nach Hause.
Einen seltenen Eröffnungsgast sahen wir an Brett 8, als sich Oliver Littek dem Königsgambit gegenübersah. Mit Falkbeers-Gegengambit dagegen zu halten ist eine gute, nach Statistik gar die erfolgversprechendste Wahl, was in dieser Partie unter Beweis gestellt wurde. Oliver konnte frühzeitig eine Qualität einstreichen, als Kompensation hielt sein Gegner durch Entwicklungsvorsprung die Stellung aber im Gleichgewicht. Zumindest vorerst. Peu à peu verbesserte Oliver seine Stellung. Letztlich veropferte sich der Langenberger auch noch, was ihn aber nicht davon abhielt, noch 14 Züge mit einem Turm weniger weiterzuspielen. Souveräne Vorstellung von Oliver.
Die Eröffnung, Alapin gegen Sizilianisch, lief nicht ganz so rund bei Joachim Görke, aber wenn noch genug Figuren auf dem Brett sind, um Unruhe zu stiften, muss man sich um Joachim in der Regel keine Sorgen machen. Selbst nicht gegen einen so erfahrenen und starken Gegner wie Michael Preuschoff, der zu seiner besten Zeit auch schon über 2300 Elo hatte. So konnte Joachim im Mittelspiel dann auch Vorteile erzielen. Als Schwarz dann einen Görrk’schen Freibauern zuließ, war es um ihn geschehen. Das 4½ aus Solinger Sicht stand!
Gegen die Tartakower-Variante im abgelehnten Damengambit spielte der – neben Oliver – weitere VII.-Mannschaft-Debütant Cedric Ruhnau eine bis ins Endspiel hinein grundsolide Partie. Leider konnte nicht verhindert werden, dass Schwarz eine Dame-Turm-Batterie auf der d-Linie aufbaute. Mangelnde Bewegungsfreiheit auf der ersten und zweiten Reihe in Verbund mit einem etwas luftigen König führten dann zu einer Gewinnstellung für Schwarz. Um diese Niederlage muss man sich aber nicht grämen.
In der Partie gegen Volker Kelch war Stefan Speck vorgewarnt, erinnerte er sich doch noch an eine Partie gegen Volker von vor drei Jahren. Aus der unorthodoxen Eröffnung (wohl den Damenbauernspielen zuzuordnen) kam Stefan als Schwarzer besser heraus, im Mittelspiel vergaloppierte sich allerdings ein Springer. Um diesen zu retten, ruinierte er seine Stellung systematisch und nachhaltig. Im gleichfarbigen Läuferendspiel mit zwei Mehrbauern fand der Langenberger aber nicht den finalen Knock-Out, sondern im Gegenteil, er ließ es zu, dass Stefan in eine ausgeglichene Stellung entschlüpfen konnte. Da es doch gerade so gut läuft, dachte sich unser Brett 2, wäre nun der Zeitpunkt gekommen, um auf Gewinn zu spielen. Das war allerdings eine fundamentale Fehleinschätzung, die auch postwendend bestraft wurde …
Am 15.11.2026 empfängt die VII. Mannschaft als Tabellenzweite Schwarz-Weiß Remscheid.
Stefan Speck