Oliver Kniest ist Stadtmeister 2021

Die Gewinner der Solinger Stadtmeisterschaft 2021:
Nuh Türkkan, Yaroslava Sereda, Raul Hamburger, Efecan Atar, Wolfgang Steinbach, Mykyta Volkov, Hanjo Seibert, Stadtmeister Oliver Kniest, M. Reza Vaghef, Stephan Borchert und Kevin Zolfagharian (v.l.n.r.)

Vor der letzten Runde der Solinger Stadtmeisterschaft hatten sich noch 5 Akteure Hoffnungen auf den Titelgewinn machen können. Die Entscheidung fiel dann faktisch innerhalb einer Minute nach etwa 2½ Stunden Spielzeit. Als der überraschende Tabellenführer Nuh Türkkan gegen Raul Hamburger in eine klare Verluststellung geraten war, nutzte dies Kevin Zolfagharian, der gegen Oliver Kniest ebenfalls eine schwierige Position zu verteidigen hatte, zu einem geschickt platzierten Remisangebot. Kniest reichte dank der  Niederlage von Türkkan das offerierte Remis zum Titelgewinn. Etwa eine Stunde später stellte der letzte verbliebene Verfolger Mykyta Volkov die  Gewinnversuche gegen Dirk Rittmann ein, so dass sich Kniest  den Stadtmeistertitel mit 5½/7 vor einem Verfolgerquintett mit jeweils 5 Zählern sichern konnte.

Die Ausgangslage für das Spitzenduell der beiden Topgesetzten in der letzten Runde war klar gewesen. Titelverteidiger Kevin Zolfagharian musste mit den schwarzen Steinen gegen  Oliver Kniest gewinnen, um seinen einen halben Zähler mehr aufweisenden Teamkollegen noch zu überholen und seine Titelchancen zu wahren. Doch auch Kniest musste einen vollen Punkt anstreben, da er als geteilter Tabellenführer einen Buchholzpunkt hinter der großen Turnierüberraschung Nuh Türkkan zurücklag und zudem  mit Mykyta Volkov noch einen weiteren Verfolger besaß.

Letztlich ergab sich aus einer slawischen Abtauschvariante frühzeitig eine für Weiß sehr bequeme Position, in der Kevin präzise verteidigen musste. Dies gelang ihm zwar, dennoch war die weiße Position für Olli immer noch deutlich angenehmer zu spielen. Parallel traf Tabellenführer Türkkan  im Duell der beiden positiven Turnierüberraschungen mit Schwarz auf den Hildener Raul Hamburger. In einem Torre-Angriff im Damenbauernendspiel mit sehr ungewöhnlichen Stellungsbildern erhielt Türkkan  zunächst bequemen Ausgleich, bevor er im Mittelspiel einen verfehlten Plan wählte. Plötzlich sah er sich zu einem Abtausch genötigt, der Hamburger einen Freibauern auf der sechsten Reihe verschaffte, der bereits wenig später für entscheidenden Materialgewinn sorgte.

Nach der Niederlage des Co-Tabellenführers akzeptierte Kniest die Remisofferte von Zolfagharian und musste nun nur noch abwarten, ob Volkov noch zu ihm aufschließen würde. Dieser besaß mit Schwarz in einer katalanischen Theorievariante gegen Dirk Rittmann allerdings nur mikroskopische Vorteile und willigte eine Stunde später auch in die Punkteteilung ein.

Dadurch stand der alleinige Turniersieg von Oliver Kniest mit 5½ Zählern fest. Im Quintett auf dem geteilten zweiten Platz mit 5/7 besaß der lediglich an Position 17 gesetzte Nuh Türkkan  die beste Buchholzwertung und feierte trotz der unglücklichen Niederlage in der Schlussrunde den größten Erfolg seiner Schach-Karriere. Zwar profitierte er auch von zwei kampflosen Siegen, spielte aber ab der zweiten Runde ausschließlich gegen stärkere Gegnerschaft, wobei insbesondere seine ganz starken Leistungen mit Remisen gegen Volkov und Kniest zu überzeugen wussten. Mykyta Volkov lag über das gesamte Turnier hinweg an der Tabellenspitze und unterlag lediglich dem Stadtmeister in der 6.Runde, so dass er völlig verdient Bronze holte.

Titelverteidiger Kevin Zolfagharian konnte das Pech einer kampflosen Niederlage in der ersten Turnierhälfte und entsprechendem Fehlstart mit 1½/3 nicht mehr völlig kompensieren, schob sich aber immerhin noch auf dem vierten Platz vor, während sich Stephan Borchert durch einen Schwarz-Sieg gegen Torsten Werbeck in der letzten beendeten Partie des Turniers noch den letzten Hauptpreis sicherte.  Raul Hamburger beeindruckte nach einer Niederlage in der ersten Runde mit einer ausgezeichneten zweiten Turnierhälfte und durfte sich auf dem sechsten Platz über einen ordentlichen DWZ-Gewinn und den Ratingpreis in der TWZ-Kategorie 1701-1900 freuen.

Ewald Fichtner verpasste leider aus beruflichen Gründen die letzte Runde, blieb jedoch als einziger Spieler neben Kniest ungeschlagen und sicherte sich so verdient als Achter mit 4½ Zählern den Ratingpreis in der TWZ-Kategorie unter 2100. Große Zufriedenheit herrschte auch bei den anderen Ratingpreisgewinnern: Mohammad Reza Vaghef (SG Porz) freute sich nach zuletzt vielen durchwachsenen und unglücklichen Leistungen  über ein endlich einmal vollständig gelungenes Turnier. Sein Remis in der Schlussrunde sicherte ihm mit 4 Zählern den dritten Ratingpreis, während sein Gegner Ali Erkay durch die Punkteteilung ganz knapp den Seniorenpreis verpasste. Er wurde in der Schlussrunde von Bezirksmeister Wolfgang Steinbach noch eingeholt, der mit 4/7 die etwas bessere Buchholzwertung aufwies.

Traditionell sind unsere Stadtmeisterschaften auch immer eine Bühne für junge Talente, sich in den Vordergrund zu spielen. In diesem Jahr überzeugten vor allem der erst 13jährige Efecan Atar (SK Kerpen) und unsere Leistungsträgerin in den Mädchen- und Frauenmannschaften Yaroslava Sereda (14). Beide machten vielen nominellen Favoriten das Leben sehr schwer und holten sich verdient mit jeweils 3½/7 den U20- bzw- U16-Preis.

Einer besonderen Erwähnung bedarf schließlich Hanjo Seibert, der während der Pandemie über das Spielen im Internet seine Leidenschaft für das königliche Spiel entdeckte und bei der Stadtmeisterschaft sein erstes Turnier überhaupt »am Brett« absolvierte. Dies gelang ihm mit 3½ Zählern ganz ausgezeichnet und wurde mit einem Ratingpreis belohnt – Gratulation und weiter so!

Selbstverständlich war diese Stadtmeisterschaft natürlich auch stark von der Pandemie beeinflusst, so dass deutlich mehr kampflose Partien aufgrund von positiven Tests, Quarantänen oder Absagen aus Vorsicht zu verzeichnen waren. Zudem machten auch die sich regelmäßig ändernden Regularien die Organisation nicht einfach – so wurden die 7 Runden mit insgesamt 5 verschiedenen an den gesetzlichen Vorgaben orientierten Hygiene-Konzepten absolviert! Dennoch war allen Akteuren die Freude anzumerken, endlich wieder ein Turnier in relativ gewohnter Turnieratmosphäre bestreiten zu können.

Die nächsten Stadtmeisterschaften sollen wieder in üblichem Zeitfenster nach den Sommerferien im September 2022 starten. Vorher sind allerdings in dieser Saison noch die Titelkämpfe im Blitz (20.05.2022) und Schnellschach (24.06.2022) geplant. Wir hoffen auf möglichst viele Teilnehmer!

Turnierseite