Eine Woche nach dem Überraschungserfolg unserer II. Pokal-Mannschaft gegen die ESG haben auch das I. und III. SG-Quartett das Halbfinale im Bezirks-Viererpokal erreicht. Während sich die Dritte sehr souverän mit 3½:½ gegen Bahn-SC Wuppertal durchsetzte, kam der 2½:1½-Sieg von SG I beim SV Wermelskirchen etwas schmeichelhaft zustande.

Kurioserweise hatten genau diese beiden Paarungen mit jeweils vertauschtem Heimrecht bereits im Viertelfinale des Vorjahres auf dem Programm gestanden. SG I hatte sich seinerzeit als klarer nomineller Favorit mit 3:1 durchgesetzt. Beim »Rückspiel« in diesem Jahr ließen die Besetzungen beider Teams hingegen ein ausgeglichenes Duell erwarten, was sich letztlich auch bestätigte.
Uli Waagener geriet mit Schwarz in einer Nebenvariante der Aljechin-Verteidigung in eine etwas passivere Position. Danach spielte er aber seine Routine aus, gab einen Bauern und wickelte dafür in ein Endspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern ab, in dem ihm die Aktivität seiner Figuren stets hinreichende Kompensation versprach. Am vierten Brett besaß Ali Erkay stets eine leichte Initiative und Raumvorteil, doch sein Gegner verteidigte umsichtig und nutzte die Chance zum Gegenspiel, so dass auch diese Partie noch kurz vor der Zeitkontrolle unentschieden endete.
Damit hing der Kampf vom Verlauf der beiden Spitzenbretter ab: während bei Stephan Borchert eine sehr komplizierte und schwer einzuschätzende Königsindisch-Struktur auf dem Brett war, stand Oliver Kniest am Spitzenbrett gegen den in früheren Jahren auch bereits für die SG aktiven Sascha Mohaupt schlechter, nachdem er aufgrund einer Ungenauigkeit dem Gegner das Läuferpaar hatte überlassen müssen. In beiderseitiger Zeitnot ließ Sascha allerdings einen sehr entlastenden Figurentausch zu, nachdem Ollis Stellung plötzlich leichter zu spielen war. Kurz darauf führte ein taktisches Versehen schließlich zum Materialgewinn und dem 2:1 für uns. Damit war das Weiterkommen aufgrund der in jedem Fall besseren Berliner Wertung besiegelt und Stephan musste keine Gewinnversuche mit der Brechstange unternehmen, sondern einigte sich mit seinem Gegner auf Remis, so dass der 2½:1½-Sieg feststand.
Parallel war unsere ausschließlich aus in Wuppertal wohnhaften Spielern bestehende III. Pokalmannschaft im Schachzentrum aktiv und wollte sich im »Stadtderby« gegen den BSW für die 1:3-Niederlage im Vorjahres-Viertelfinale revanchieren. Mannschaftsführer Markus Boos berichtet:
Im Vergleich zum letzten Jahr hatten beide Teams ihre Besetzung nur an einem Brett geändert. Bei uns ersetzte Marius Linke an Brett 4 den nun für die SF Anna aktiven Carsten Becker. Die erste Entscheidung fiel an Brett 2: Christopher Blomel sprang in gewohnter Manier seinen Gegner am Brett förmlich an und hatte am Ende der Eröffnung bereits eine Figur für zwei irrelevante Bauern mehr. Auch wenn er in der Folge noch etwas unnötiges Gegenspiel zuließ, war der erste volle Zähler nach etwas über zwei Stunden besiegelt.
Am ersten Brett hatte Markus Boos gegen den jungen Vereinsbesten der BSW schnell mit Schwarz bequemen Ausgleich und bereits die minimal bessere Position erreicht. Doch bevor an einen Remisschluss zu denken war, unterlief seinem Gegner im Mittelspiel eine Ungenauigkeit, so dass Markus in ein Endspiel mit dominantem Springer gegen schlechten schwarzen Läufer abwickeln konnte, das er sicher zum 2:0 führte.
Marius Linke agierte an Brett 4 sehr aggressiv und riss die Initiative schnell an sich. Mit einer starken Partie sorgte er so für den dritten Sieg des Tages. Bei Georg Loriguillo kam es gegen seiner Gegner zu einer Neuauflage der Vorjahrespartie. Es entstand eine komplexe Position mit einem weißen Freibauern auf b7 und einem gedeckten schwarzen Freibauern auf d4, bei dem die Engine zwar einen Gewinnweg im typischen Computerstil für Georg aufzeigte, der jedoch weder für die Spieler während der Partie noch in der Analyse danach ersichtlich.
So endete die Partie Remis zum 3½:½, womit die tolle Bilanz mit drei Teams im Halbfinale perfekt war.