Traditionell richten die NATO-Mitgliedsstaaten im Herbst ihre Schach-Meisterschaft aus. In diesem Jahr fanden die Titelkämpfe vom 01.-05.10.2012 im französischen Brest statt und bereits zum achten Mal war unser Zweitliga-Spitzenspieler Lorenz Drabke am Start. Bei der Meisterschaft waren 80 Spieler aus 13 Nationen am Start, die ein siebenrundiges Open austrugen, bei dem Teilnehmer des gleichen Herkunftslandes nicht gegeneinander ausgelost werden dürfen. Die vier besten Akteure jeder Nation werden dann für die Mannschaftswertung gewertet.
Traditionell dominiert die deutsche Mannschaft den Wettbewerb deutlich, doch im Vorjahr war es der türkischen Mannschaft zum zweiten Mal nach 2008 gelungen, den Titel zu erringen. Dementsprechend motiviert gingen die Deutschen in diesem Jahr ins Turnier, mussten aber über lange Zeit der sehr stark aufspielenden polnischen Mannschaft hinterher laufen. Erst in der Schlussrunde schloß man – ebenso wie die französischen Gastgeber – nach Punkten auf und alle Mannschaften erreichten 19 Zähler knapp vor den unglücklichen Dänen auf Platz 4 mit 18½ Punkten.
Die verfeinerte Buchholz-Wertung gab dann schließlich den Ausschlag zu Gunsten der deutschen Mannschaft, die sich damit wieder über die NATO-Meisterschaft freuen konnte. Einen großen Anteil am deutschen Erfolg hatte der topgesetzte Lorenz Drabke, der genau wie im Jahr 2010 das Turnier mit 6/7 punktgleich mit dem Belgier FM Fabrice Wantiez (2337) gewann. Damals hatte er die bessere Wertung, diesmal hatte Wantiez die Nase vorn, so dass Lorenz mit Einzel-Silber und Mannschafts-Gold dekoriert die Heimreise antrat und vor Saisonbeginn seine gute Form unter Beweis stellte.
In der dritten Runde der Stadtmeisterschaft blieben die Überraschungen aus. Am Spitzenbrett gelang dabei dem topgesetzten Michael Berg im Duell mit JeromeNeumair mit 12. d5 sicherlich der spektakulärste Zug des bisherigen Turniers, der schließlich zu einem interessanten Angriffssieg führte. Auch der zweite Jugendbundesligaspieler Kevin Zolfagharian blieb ohne Zähler, nachdem er von Thomas Lemanczyk mit Schwarz unerwartet glatt überspielt worden war.
Dagegen mussten Oliver Kniest und Jörg Kappelt einige bange Momente überstehen, bevor sie schließlich doch glückliche Siege gegen Stefan Speck und Rainer Falge einfuhren. Einziger Verfolger des Spitzenquartetts ist mit 2½ Zählern der vereinslose Markus Mentzel, der nach über 15 Jahren Schach-Pause bisher ein ausgezeichnetes Comeback zeigt und in einer schönen Positionspartie Kurt Rist bezwingen konnte.
Spieler des Abends war aber zweifellos der 82jährige Ernst Müller, der eine klar schlechtere Stellung gegen die amtierende U14-NRW-Meisterin Amina Sherif noch drehen konnte und nach 100 Zügen in der letzten Partie der Runde kurz vor Mitternacht den vollen Zähler einfuhr.
Am 26.10.12 stehen in der vierten Runde dann die ersten direkten Duelle der Favoriten auf dem Programm.
Wie im Vorjahr fanden die Bezirks-Einzelmeisterschaften erneut nur eine enttäuschende Resonanz von 10 Spielern, die in 5 Runden Schweizer-System im Schachzentrum den Bezirksmeister und die Qualifikanten für die Verbandsebene ermitteln werden. Mit dabei sind auch 3 Spieler unseres Vereins.
Während Okan Yener seine Partie gegen den Topgesetzten René Tückmantel noch nachholen muss, kam Titelverteidiger Joachim Görke zum Auftakt mit Schwarz gegen seinen Vereinskollegen Athanassios Vranidis nicht über ein Remis hinaus.
Stadtmeister und -meisterin (Fotos: Silvia Möller)
Mit leider nur 10 Spielern fanden die diesjährigen Jugend-Stadtmeisterschaften eine enttäuschende Resonanz. Dafür erfreuten sich alle Teilnehmer an einem schönen Turnier mit viel Spaß, in dem es um die traditionellen Urkunden und Pokale ging. Sportlich war es kleine Sache für die beiden teilnehmenden Jugend-Bundesliga-Spieler Amina Sherif und Jan Porstmann, die sich im direkten Duell in einer spannenden Sizilianisch-Partie Remis trennten und sich darüber hinaus keine Blöße gaben, auch wenn Porstmann im Duell mit Bilal Wawi in einer völligen Verluststellung einiges Glück brauchte.
Folglich siegten beide mit 8½/9, so dass sich Amina die Titel in den Klassen U20w und U14 sicherte, während Jan den U18-Stadtmeistertitel errang. Klarer Dritter wurde Malik Sherif, der nur gegen die beiden Top-Spieler unterlag und sich mit 7/9 souverän den U12-Titel sicherte.
Weitere Stadtmeistertitel gingen an Laura Möller (U12w) und Bilal Wawi (U16), während die erst 6jährige Luisa Bashylina ihren deutlich älteren Konkurrenten engagiert Paroli bot und sich mit 2 Zählern verdient den U10-Stadtmeistertitel sicherte.
In der zweiten Runde der Solinger Stadtmeisterschaften waren zahlreiche ausgeglichene und sehr hart umkämpfte Partien zu verzeichnen. Für die Überraschung der Runde sorgte Rainer Falge, der einen rabenschwarzen Tag von Joachim Görke konsequent ausnutzte und verdient einen vollen Zähler einfuhr. Am Spitzenbrett hatte Michael Berg Glück, dass Dr. Hans-Joachim Boschek in einem remisen Leichtfigurenendspiel auf den letzten Trick hereinfiel und einen Bauern verlor.
Im Verfolgerfeld machte erneute der 13jährige Niklas Nink auf sich aufmerksam, als er innerhalb einer Woche zum zweiten Mal seinen 600 DWZ-Punkte stärkeren Teamkollegen Philipp Nguyen bezwingen konnte, und nun bei sensationellen 1½ Zählern notiert. Auch dem dritten U14-Spieler Robert Barche gelang mit seinem Remis gegen den 400 Punkte stärkeren Norbert Weyer ein schöner Achtungserfolg.
Acht Spieler liegen nun noch mit dem Punktemaximum an der Spitze, darunter auch die Jugend-Bundesliga-Akteure Jerome Neumair und Kevin Zolfagharian. Somit sind spannende Spitzenduelle in der dritten Runde garantiert, die bereits am kommenden Freitag, dem 05.10.2012, stattfindet.
Zum Auftakt der Jugend-Bezirks-Einzelmeisterschaften wurde erneut der Trend der vergangenen Jahre untermauert, dass – vermutlich aufgrund der verkürzten Schulzeit und der immer größer werdenden Alternativ-Freizeit-Angebote – die älteren Altersklassen immer dünner besetzt sind. So fanden sich lediglich zwei Teilnehmer zur U18-Bezirks-Einzelmeisterschaft ein. Jerome Neumair besiegte Johannes Reckendorf (SF Lennep) und sicherte sich damit bereits am ersten Spieltag den Bezirksmeistertitel und die Qualifikation zur Verbandsebene. Jerome Neumair ist U18-Bezirksmeister weiterlesen →
Zum vierten Mal werden die offenen Solinger Stadtmeisterschaften nun im Herbst im Zeitraum von September bis Dezember ausgetragen und erstmals konnte die Marke von exakt 40 Spielern erreicht werden. Interessanter Weise sind mit Thomas Lemanczyk (SF Gerresheim), Jörg Kappelt (SV Hilden) und Oliver Kniest die Turniersieger der Jahre 2009-2011 am Start, die hinter dem Topfavoriten Michael Berg erneut zu den Anwärtern auf die Topplatzierungen gehören.
Zum Auftakt hatten insbesondere Berg und Kniest einige Arbeit zu verrichten, bevor sie letztlich aber wie alle Spitzenspieler den vollen Zählern einfahren konnten. Die Überraschung des Abends gelang dem 13jährigen Niklas Nink, der dem über 700 DWZ-Punkte stärkeren Athanassios Vranidis ein Remis abknöpfen konnte, nachdem dieser in besserer Stellung etwas zu sorglos agiert hatte.
Die zweite Runde steht in zwei Wochen, am 28.09.2012, auf dem Programm.
Vom 02.–15.08.2012 fand in Athen die U20-Weltmeisterschaft statt, die unter 92 Spielern in kräftezehrenden 13 Runden Schweizer System ausgetragen wurde. Unser dänischer Bundesligaspieler Mads Andersen war als 17-Jähriger einer der jüngsten Teilnehmer und an Position 28 gesetzt. Wie bereits beim IM-Turnier in Dortmund erwischte er einen echten Fehlstart und erzielte nur ½/2 gegen deutlich schwächere Gegnerschaft.
Doch erneut kämpfte er sich nach vorne und stand zur Turnierhalbzeit bei sehr ordentlichen 4/6. Nachdem er in der Folge zwar gegen die starken Yaroslav Zherebukh (2629) und Karen Grigoryan (2529) unterlag, dafür aber z.B. auch Mustafa Yilmaz (2543) mit Schwarz bezwingen konnte, setzte er sich in diesem oberen Mittelfeld fest und notierte auch nach 11 Runden bei +2.
Wie schon in Dortmund zeigte er aber exzellente konditionelle Fähigkeiten und konnte die beiden Schlussrunden für sich entscheiden, was ihm mit 8½/13 einen sehr respektablen 15. Platz einbrachte, den er in den kommenden 3 Jahren sicherlich noch zu verbessern versuchen wird.
Unser Neuzugang Gawain Jones konnte sich bei den vom 24.07.-04.08.2012 in North Shields im Nordosten von England ausgetragenen Britischen Meisterschaften erstmals den Titel sichern. Durch das Fehlen der Spitzenkräfte Michael Adams, Nigel Short und Luke McShane bei der diesjährigen Auflage ging Gawain als Topgesetzter des 65 Teilnehmer umfassenden Feldes in das Turnier.
Nachdem er in der vierten Runde GM Stephen Gordon (2539) bezwungen hatte, führte er das Feld mit 4/4 alleine an, gab sich jedoch in der Folge mit zu vielen Remis zufrieden, so dass der verbissen kämpfende Gordon vor der Schlussrunde mit 8½/10 einen halben Zähler vor ihm lag. Doch in der Schlussrunde gelang Gordon nur ein Remis, so dass Jones mit einem Schwarz-Sieg noch zu ihm aufschließen konnte, so dass die Entscheidung in einem doppelrundigen Schnellschach-Stichkampf fallen musste.
Hier begann nun der dramatischste Teil der Geschichte: denn in der ersten Schnellpartie stellte Gawain einzügig seine Dame gegen einen Läufer ein, spielte jedoch weiter und gewann noch! Kein Wunder, dass Gordon in der zweiten Partie nicht mehr gegenhalten konnte, so dass sich Gawain Jones seinen ersten britischen Titel sichern konnte. Damit beendete er drei sehr erfolgreiche Wochen, denn unmittelbar vor dem Turnier hatte er seine langjährige Verlobte Sue Maroroa, eine neuseeländische Fide-Meisterin, geheiratet.
Aus beruflichen Gründen sitzt unser langjähriges Mitglied aus Österreich, Herwig Pilaj, nur noch sehr selten am Brett. Durch die mangelnde Aktivität hat auch seine Elo-Zahl gelitten, so dass er bei der österreichischen Staatsmeisterschaft, die vom 21.-29.07.2012 in Zwettl ausgetragen wurde, unter den 58 Teilnehmern nur an Position 14 gesetzt war.
Doch Herwig erwischte nach einem soliden Start mit 2½/3 ein gutes Turnier und blieb auch in den fünf folgenden Runden gegen Internationale Meister ungeschlagen, wobei er zudem den für Hockenheim spielenden Martin Neubauer (2433) bezwingen konnte, der in der letzten Bundesliga-Saison noch Predrag Nikolic bezwungen hatte. Leider unterlag Herwig dann in der entscheidenden Schlussrunde gegen Georg Fröwis (2366) und musste sich statt einer Top-Platzierung mit 5½/9 auf Rang 13 zufrieden geben. Dennoch konnte er dank ordentlichem Elo-Plus mit seiner Turnierleistung sehr zufrieden sein.